PIWI-Rebsorten im Bio-Weinbau: Warum trotzdem Pflanzenschutz nötig ist
PIWI-Rebsorten gelten als wichtiger Bestandteil eines nachhaltigen Bio-Weinbaus. Dank ihrer natürlichen Widerstandskraft gegen Pilzkrankheiten benötigen sie deutlich weniger Pflanzenschutz als klassische Rebsorten. Gerade im Schweizer Bio-Weinbau und im naturnahen Weinbau im Thurgau gewinnen PIWI-Reben deshalb zunehmend an Bedeutung.
Trotzdem taucht immer wieder dieselbe Frage auf:
„Wenn PIWI-Rebsorten so robust sind – warum werden sie im Bio-Weinbau trotzdem behandelt?“
Die Antwort liegt bereits im Begriff selbst:
PIWI bedeutet pilzwiderstandsfähig – nicht pilzresistent.
Auch robuste Reben stehen unter ständigem Druck durch Pilzkrankheiten. Besonders in feuchten Jahren, bei langer Blattnässe oder warmem Sommerwetter werden Reben permanent von Pilzsporen angegriffen. Für die natürliche Abwehr dieser Krankheiten benötigt die Rebe viel Energie.
Was bedeutet PIWI überhaupt?
PIWI steht für pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Diese Reben wurden gezielt gezüchtet, um eine natürliche Widerstandskraft gegen wichtige Krankheiten im Weinbau zu besitzen, insbesondere gegen:
Echten Mehltau
Falschen Mehltau
Botrytis
Dadurch benötigen PIWI-Rebsorten deutlich weniger Pflanzenschutzmassnahmen als klassische europäische Rebsorten. Das macht sie besonders interessant für den nachhaltigen Bio-Weinbau in der Schweiz.
Mehr über nachhaltigen Weinbau und PIWI-Weine erfahren Sie auch im Blogartikel „Bio Wein Schweiz – nachhaltige Bio Weine & PIWI-Rebsorten“.
Gleichzeitig betonen Forschende, Züchterinnen und Züchter seit Jahren, dass auch PIWI-Reben nicht vollständig ohne Pflanzenschutz auskommen.
Warum PIWI-Reben trotzdem behandelt werden
Auch bei PIWI-Reben kann bei entsprechender Witterung ein hoher Krankheitsdruck entstehen. Besonders kritisch sind längere feuchte Phasen während der Vegetationsperiode.
Empfindlich reagieren vor allem:
junges Blattgewebe
Gescheine während der Blüte
junge Traubenbeeren
Muss die Rebe dauerhaft grosse Mengen an Pilzsporen abwehren, kann sie an ihre natürlichen Belastungsgrenzen gelangen. Im ungünstigsten Fall werden empfindliche Pflanzenteile dennoch von Schadpilzen befallen.
Deshalb geht es im biologischen Pflanzenschutz nicht darum, Krankheiten erst zu bekämpfen, wenn sichtbarer Befall vorhanden ist. Ziel ist vielmehr, die Reben vorbeugend zu unterstützen und den Rebberg langfristig gesund zu erhalten.
Wie wir unsere Reben naturnah pflegen, zeigen wir auch in unseren Beiträgen über den sanften Rebschnitt oder die Frostrute im nachhaltigen Weinbau.
Resistenzmanagement im nachhaltigen Weinbau
Ein zentraler Bestandteil des modernen PIWI-Weinbaus ist das sogenannte Resistenzmanagement.
Ohne gezielte Pflanzenschutzmassnahme kann sich die Population schädlicher Pilzsporen sehr stark vermehren. Je grösser diese Pilzpopulation wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass neue genetische Varianten entstehen.
Im schlimmsten Fall entwickeln sich Pilzvarianten, welche die natürlichen Abwehrmechanismen der PIWI-Reben überwinden können. Solche Resistenzdurchbrüche wurden beispielsweise bereits bei einzelnen PIWI-Rebsorten wie Regent oder Johanniter beobachtet.
Deshalb empfehlen Fachleute bewusst einen gezielten und minimalen Pflanzenschutz – insbesondere rund um die empfindliche Blütephase.
Warum Behandlungen vor und nach der Blüte sinnvoll sind
Die Blüte gehört zu den empfindlichsten Entwicklungsphasen der Rebe. In dieser Zeit können Pilzkrankheiten besonders grosse Schäden verursachen und den späteren Ertrag stark reduzieren.
Aus diesem Grund empfehlen Fachleute in der Regel:
mindestens eine Behandlung vor der Blüte
mindestens eine Behandlung nach der Blüte
Diese gezielten Massnahmen unterstützen die Rebe bei ihrer natürlichen Sporenabwehr und helfen gleichzeitig, die Pilzpopulation im Rebberg auf einem tiefen Niveau zu halten.
Dadurch wird auch das Risiko reduziert, dass sich Schadpilze langfristig an die Resistenzmechanismen der PIWI-Reben anpassen.
Welche Pflanzenschutzmittel im BioSuisse-Weinbau erlaubt sind
Im biologischen Weinbau nach BioSuisse-Richtlinien dürfen ausschliesslich natürliche oder biologisch zugelassene Mittel eingesetzt werden.
Dazu gehören beispielsweise:
Schwefel gegen Echten Mehltau
stark begrenzte Mengen Kupfer und/oder Aluminium gegen Falschen Mehltau
Pflanzenstärkungsmittel
natürliche Präparate zur Unterstützung der Reben
Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sind im BioSuisse-Anbau nicht erlaubt.
Weniger Pflanzenschutz bleibt trotzdem ein grosser Vorteil
Der entscheidende Unterschied liegt nicht darin, ob behandelt wird – sondern wie intensiv.
Klassische Rebsorten benötigen häufig deutlich mehr Pflanzenschutzmassnahmen. PIWI-Rebsorten hingegen kommen mit wesentlich weniger Anwendungen aus.
Das bedeutet:
weniger Überfahrten im Rebberg
geringere Belastung für Boden und Umwelt
reduzierter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
nachhaltigere Bewirtschaftung der Rebflächen
geringerer Energieverbrauch im Weinbau
PIWI-Reben reduzieren den Pflanzenschutz also nicht auf null – aber auf ein deutlich tieferes Niveau.
Nachhaltiger Bio-Weinbau im Thurgau
Nachhaltiger Weinbau bedeutet nicht, die Natur sich selbst zu überlassen. Vielmehr geht es darum, verantwortungsvoll zu handeln und die Reben möglichst naturnah zu begleiten.
PIWI-Rebsorten leisten dazu einen enorm wichtigen Beitrag. Sie ermöglichen es, den Pflanzenschutz deutlich zu reduzieren und gleichzeitig hochwertige Trauben mit stabilem Gesundheitszustand zu erzeugen.
Auch bei uns im Thurgau setzen wir bewusst auf robuste PIWI-Rebsorten wie Solaris, Cal 1–28 oder Souvignier gris, weil sie hervorragend zu unserer Philosophie eines nachhaltigen Bio-Weinbaus passen. Passend dazu entdecken Sie im Shop auch unsere PIWI-Weine.
Wer nachhaltigen Weinbau noch direkter erleben möchte, findet mit der Rebstock-Pacht eine besondere Möglichkeit, Teil unseres Bio-Weinguts zu werden.
Fazit: PIWI bedeutet nicht „ohne Pflanzenschutz“
PIWI-Rebsorten verändern den Weinbau nachhaltig. Sie ermöglichen eine deutliche Reduktion des Pflanzenschutzes und fördern einen umweltschonenderen Umgang mit der Natur.
Trotzdem bleiben Rebberge lebendige Ökosysteme, die von Wetter, Klima und natürlichen Prozessen geprägt werden. Deshalb braucht es auch im biologischen Weinbau weiterhin Erfahrung, Beobachtung und gezielte Unterstützung der Reben.
PIWI bedeutet also nicht „kein Pflanzenschutz“, sondern einen verantwortungsvollen und deutlich reduzierten Pflanzenschutz im nachhaltigen Weinbau.
Häufige Fragen zu PIWI-Rebsorten und Pflanzenschutz
Brauchen PIWI-Rebsorten Pflanzenschutz?
Ja. PIWI-Rebsorten besitzen zwar eine natürliche Widerstandskraft gegen wichtige Pilzkrankheiten, können bei hohem Krankheitsdruck jedoch trotzdem Schutz benötigen.
Warum werden PIWI-Reben im Bio-Weinbau behandelt?
Im biologischen Weinbau geht es darum, Krankheiten vorzubeugen und die Gesundheit der Reben langfristig zu erhalten. Deshalb werden auch robuste PIWI-Reben gezielt unterstützt.
Was bedeutet Resistenzmanagement bei PIWI-Reben?
Resistenzmanagement bedeutet, die natürlichen Abwehrmechanismen der PIWI-Reben langfristig zu schützen. Durch gezielte Pflanzenschutzmassnahmen wird verhindert, dass sich Schadpilze an die Resistenz der Reben anpassen.
Welche Mittel sind im BioSuisse-Weinbau erlaubt?
Erlaubt sind natürliche und biologisch zugelassene Mittel wie Schwefel, begrenzte Mengen Kupfer und Aluminium oder Pflanzenstärkungsmittel. Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sind verboten.
Bedeutet PIWI komplett ohne Pflanzenschutz?
Nein. PIWI bedeutet pilzwiderstandsfähig – nicht pilzresistent. Der Pflanzenschutz kann jedoch deutlich reduziert werden.
